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Tipp
Der Einsatz von Push-Strategien sollte mit Bedacht und Augenmaß erfolgen. Ein Beispiel aus der Praxis soll dies veranschaulichen.
Beim Einsatz von Lernplattformen können immer wieder Phasen auftreten, wo die Aktivität der der TeilnehmerInnen auf der Plattform zu wünschen übrig lässt oder zumindest nicht den Erwartungen der Unterrichtenden entspricht. Ein nahe liegendes Mittel ist dann der Einsatz von eMail. Wenn dieses jedoch - zumindest in der Wahrnehmung der Teilnehmenden – ohnehin die wichtigsten Infos enthält, dann sinkt nochmals die Motivation sich auf die Plattform einzuloggen. Wozu auch die Infos holen, wenn sie ohnehin auch so geliefert werden?
Das Faktum, dass eine Lernplattform, abgesehen von Informationen, die darauf bereit gestellt werden, noch einen ganz anderen pädagogisch-didaktischen Mehrwert liefern kann, der sich auch dem Lernen in der Gruppe ergibt, ist für die meisten Lernenden von Haus aus nicht einsichtig. Viele sehen sich – zumindest zu Beginn von Lernprozessen - hauptsächlich als individuelle Wissensempfänger. Dass ein Gedankenaustausch und eine Reflexion in der Gruppe auch das eigene Lernen fördert, müssen viele erst praktisch erleben.
Wenn man nicht einfach die nächste F2F-Phase abwarten will, könnte ein möglicher Ausweg aus obigem Dilemma sein, ein eMail zu versenden, das auf neue Infos oder Aktivitäten auf der Plattform hinweist. Idealerweise enthält das eMail auch einen integrierten Link, um den Einstieg möglichst rasch zu ermöglichen. Dadurch wird zwar ein Push-Effekt ausgeübt, aber keine Konkurrenz zum Pull-Medium aufgebaut. |
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Um die Aktivität der Lernenden auf einer Plattform zu steuern, gibt es natürlich viele andere Möglichkeiten. Jedenfalls ist es von allem Anbeginn an wichtig, dass eine nicht unbedingt sehr hohe, aber möglichst kontinuierliche Aktivität der Lernenden aufgebaut wird.
Abgesehen von dem wesentlichen Faktor, dass Online-Kommunikation für viele erst vertraut werden muss, zeigt auch die Erfahrung, dass längere Absenzzeiten die Motivation zumeist senken. Entweder ist in der Zwischenzeit nicht viel auf der Plattform passiert, dann kommt rasch das Gefühl auf, dass ohnehin nichts versäumt wurde, wodurch die Weichen für die nächste lange Pause gestellt sind, oder aber es hat, ganz im Gegenteil, ein reger Austausch stattgefunden, dann ist das Nachvollziehen der Aktivitäten im Nachhinein meist mühsam und manchmal auch aufwändig, was einen Einstieg wiederum erheblich erschwert.
Daher sollten die Lernenden vom Beginn an kontinuierlich online präsent sein, zumindest ein bis zwei Mal pro Woche, und dort nicht nur Lesen, sondern selbst z.B. durch ein „Posting“ in einem Forum in Erscheinung treten. Letzteres ist wichtig, weil es einen zwar banalen, aber dennoch relevanten Unterschied zwischen wirklichem Klassenraum und virtueller Lernplattform gibt, der wiederum mit der Kanalreduktion zu tun hat.
Im Präsenzunterricht werden alle Anwesenden wahrgenommen und auch dann, wenn sie sich nicht verbal an der Diskussion beteiligen, drücken sie durch Körpersprache und Mimik dennoch Zustimmung, Ablehnung, Interesse oder auch Desinteresse aus. Im Klassenraum existiert also gewissermaßen immer eine „Gruppe“, wie unterschiedlich aktiv und geistig anwesend die einzelnen auch sein mögen. Ganz anders ist die Situation in einem virtuellen Diskussionsforum: Teilnehmende, die nur lesen, werden nur über die Statistik-Funktion erkannt und treten daher für andere TeilnehmerInnen nicht in Erscheinung. Die Statistik-Funktion von Lernplattformen ist nämlich zumeist für KursleiterInnen und AdminstatorInnen vorbehalten und für Kursteilnehmende nicht einsehbar. Rasch kann so das Gefühl einer „toten“ Lernumgebung aufkommen, die verständlicherweise wenig animierend ist.
Zustimmung, Skepsis oder Ablehnung der „Nur-LeserInnen“ kann nicht gespürt werden, wenn sie nicht aktiv geäußert wird. Das ist auch einer der Gründe, warum dem Feedback, sowohl zwischen den Teilnehmenden, als auch zwischen Kursleitung und TeilnehmerInnen so große
Die Lernplattform sollte also mit einem klaren Konzept in der Kurs integriert sein und – sofern sie auch frequentierter Lernort sein soll, muss zu Beginn großes Augenmerk auf eine lebendige virtuelle Lernumgebung gelegt werden. Die Hürde für das Schreiben der ersten Postings muss je nach Gruppe und Erfahrungen der LernerInnen entsprechend niederschwellig angesetzt werden. Zu Beginn ist vor allem wichtig, dass alle die virtuelle Lernumgebung „in Besitz“ nehmen und nicht bloß schauen und warten, ob was passiert. Ein „Ice Breaker“ zu Beginn des Kurses ist daher unbedingt zu empfehlen. Die potenzielle Stärke einer Lernplattform liegt darin, dass sie im virtuellen Raum soziales Gruppenlernen möglich macht, was aber nur möglich ist, wenn vom Beginn an eine virtuelle Community aufgebaut wird. Das bloße Registrieren der Teilnehmenden auf der Plattform und das Anbieten von Infos und diversen Diskussionsmöglichkeiten reicht dafür jedoch nicht aus. |
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