Didaktik des eLearning

 

Phasen

1        Ende der 90er Jahre wurden die technischen Voraussetzungen entwickelt und man mühte sich damit ab, eine entsprechende Infrastruktur in den Einrichtungen aufzubauen.

2        Anschließend wurde mit der Produktion von eContent bzw. von multimedialer Software begonnen, um die Inhalte des Lehrens und Lernens digital verfügbar zu haben und die zusätzlichen medialen Dimensionen (Ton, Video, Simulationen…) zu nutzen.

3        Heute verlagert sich das Interesse zunehmend auf pädagogische, insbesondere soziale Aspekte, begleitet von der im Vergleich zu Lernplattformen flexibleren Social Software.

4        Die Bedeutung des Kontexts für die Ermöglichung individueller Lernwege wird zunehmend deutlicher.

 

 

Szenarios

Im Prinzip lässt sich eLearning (so wie auch das traditionelle Lernen) in Hinblick auf die soziale Organisation in folgenden Lehr- / Lernszenarios umsetzen:

·         Lehrperson unterrichtet Schüler/innen

·         Trainer/in trainiert Kursteilnehmer/innen

·         Tutor/in unterstützt Lernende

·         Lernende/r lernt eigenständig

·         Lernende lernen gemeinsam (z.B. in Kleingruppen)

 

In dieser Reihenfolge verschiebt sich die Kontrolle über den Lernprozess von einer externen Instanz zur Selbstbestimmung.

 

Bediente man sich einer ländlichen Metaphorik und konzentrierte man die fünf Szenarios auf drei, könnte man diesen sozialen Organisationsformen gewisse Plätze in einem Dorf zuordnen:

·         Kirche: Kanonisiertes Wissen wird in Einweg-Richtung weitergegeben. Gemacht wird, was der Pfarrer sagt.

·         Bauernhof: Wissen wird interaktiv / mit Rückkopplung vermittelt. Die Tätigkeiten werden vom Bauer und der Bäuerin vorgegeben und angeleitet, die anderen dürfen aber zumindest mitreden.

·         Dorfplatz: Wissen wird auf sozialer Ebene ausgetauscht. Gemeinsame Aktionen werden verhandelt.

 

In der Umsetzung wäre im ersten Fall Lernsoftware vorstellbar, die primär als „Futtermittel“ (von Foerster / Müller + Müller, S. 230) konstruiert ist: aufbereitete Inhalte mit anschließenden Testfragen. Im zweiten Fall könnten Problemstellungen in Blended Learning-Manier und mit tutorieller Unterstützung bearbeitet werden, während der dritte Fall durch offene Lernplattformen oder Lerngemeinschaften im Internet („communities of learning“) konkretisiert würde.

Didaktik?

Im Hintergrund schwingt beim eLearning immer die Frage mit: Ist dafür eine andere Didaktik erforderlich? Oder soll eLearning so gut wie möglich an den Präsenzunterricht angenähert werden?

 

eLearning weist im Vergleich zum traditionellen, an Klassen- und Seminarräumen gebundenen Lernen gewisse Unterschiede auf (Baumann). Häufig werden jedoch die Unterschiede zwischen Präsenz und Distanz nicht auf Basis der gleichen Didaktik diskutiert. So wird dem Präsenzlernen gelegentlich Instruktion – wenn nicht gar Behaviorismus – zugeordnet, während eLearning sich einer konstruktivistischen Didaktik erfreuen kann. Tatsächlich ist jedoch eine spezifische Didaktik sowohl in einem Klassenzimmer als auch in einer virtuellen Umgebung umsetzbar.

 

Blended Learning – Kurse bestehen zum Teil aus Arbeitszeiten, die im virtuellen Raum – meist auf einer Lernplattform – zu verbringen sind. Die Praxis zeigt, dass die Aktivitäten in diesem Raum oft nur geringe Intensität aufweisen, was auch das kooperative Lernen betrifft. Ein Grund zumindest ist nahe liegend: Warum sollte man im virtuellen Raum auf eine Art agieren, die man im realen Raum nicht geübt hat? Ein Klassenzimmer ist selten so eingerichtet wie eine Lernplattform, auch die Abläufe entsprechen nicht einer Lernumgebung. Oder, um ein Beispiel aus der Fortbildung von Lehrpersonen zu nennen: Warum sollen Lehrer/innen, die in der Schule oder im Lehrerzimmer nicht kooperieren, dies plötzlich im Netz tun?

 

Der Unterschied zwischen Präsenzlernen und eLearning liegt einerseits in der Distanz, andererseits im Medium/Instrument. Diese beiden Punkte wirken sich notwendigerweise auf die Didaktik aus. Mit dem neuen Medium setzt sich die Medienpädagogik auseinander, mit der Distanz hat das tradionelle Fernstudium in den letzten drei Jahrzehnten Erfahrungen gesammelt. Die Distanz bezieht sich auf die Lehrperson wie auf die Gruppe der Mitlernenden und sie ist in erster Linie ein psychologisches und weniger ein geographisches Problem (Peters).

 

 

Hinweise

Zur Didaktik des eLearning existiert eine umfangreiche Literatur, die häufig auf spezifische Einsatzgebiete wie Schulen, Universitäten oder Firmen zugeschneidert ist. Eine kleine Auswahl von im Internet zugänglichen Dokumenten:

 

Baumgartner / Häfele / Maier-Häfele haben im Jahr 2002 im Auftrag des BMBWK ein Heft zum eLearning in Schulen gestaltet. Neben technischen Aspekten gibt es auch eine Einführung in die didaktischen Grundlagen (z.B. Baumgartners „heuristischer Würfel“).

 

Wilbers hat für das von ihm gemeinsam mit Hohenstein herausgegebene Handbuch E-Learning einen Beitrag zur didaktischen Gestaltung verfasst. Er bezieht sich auf die Einführung und den Betrieb von eLearning in Unternehmen.

 

Das von Anderson / Elloumi herausgegebene Buch über Online-Lernen ist vollständig im Internet verfügbar. Es enthält unter anderem einige Abschnitte zu didaktischen Fragen.

Iberer / Müller stellen eine Reihe von Szenarios, Methoden und Formen sozialer Interaktion beim eLearning, von der Einzelarbeit bis zur Großgruppe, vor. Anschließend gehen sie auf die dabei auftretenden Interaktions- und Kommunikationsstrukturen ein.

 

Ein wichtiger Punkt beim eLearning ist die tutorielle Betreuung der im Netz versammelten Lerngruppe. Rautenstrauch beschreibt die kommunikative Situation und die Besonderheiten des Lehr-/Lernprozesses in Online-Seminaren.

 

Schröder / Wankelmann fassen in ihrem Artikel ihre im Leonardo-Projekt „e-Tutor“ gesammenten Einsichten zur eLearning-Didaktik sowie zu den Anforderungen, die sich beim eTutoring stellen, zusammen.

 

Die Moderation einer Gruppe im virtuellen Raum erfordert im Vergleich zu einer Präsenzgruppe zusätzliche Kompetenzen. Bett / Gaiser skizzieren die Aufgaben und Rollen.

 

 

Literatur

 

Anderson, Terry / Elloumi, Fathi (Eds.):

Theory and Practice of Online Learning, 2004 (454 S)

http://cde.athabascau.ca/online_book/index.html                        

http://cde.athabascau.ca/online_book/pdf/TPOL_book.pdf

 

Baumann, Thomas:

Blended Learning. Verändert eLearning die Didaktik? 1/2004 (17 Folien)

https://elearning.zhwin.ch/forum/-/elearningforum-007-thomas-baumann.pdf

 

Baumgartner, Peter / Häfele, Hartmut / Maier-Häfele, Kornelia:      

e-Learning; CD Austria 5/2002 (32 S)

http://bt-mac2.fernuni-hagen.de/c3initiative/gems/elearning.pdf

 

Bett, Katja / Gaiser, Brigitte:

E-Moderation; e-teaching@university, 12.05.2004 (16 S)

http://www.e-teaching.org/lehrszenarien/vorlesung/diskussion/e-moderation.pdf

 

Foerster, Heinz von / Müller, Albert + Müller, Karl H. (Hg.):

Der Anfang von Himmel und Erde hat keinen Namen. Sechster Tag (S. 213-254); Wien, 1999

http://www.univie.ac.at/heinz-von-foerster-archive/etexte/t6var.pdf

 

Iberer, Ulrich / Müller, Ulrich:

Sozialformen für E-Learning; 2002 (19 S)

http://www.neue-lernkultur.de/publikationen/sozialformen-elearning.pdf

 

Peters, Otto:

Didaktik des Fernstudiums; Luchterhand, Neuwied 1997

 

Rautenstrauch, Christina:

Tele-Tutoring. Zur Didaktik des kommunikativen Handelns im virtuellen Lernraum; 2001 (12 S)

http://www.uni-hildesheim.de/~chlehn/isko2001/texte/rautenstrauch.pdf

 

Schröder, Rudolf / Wankelmann, Dirk:

Theoretische Fundierung einer e-Learning Didaktik und der Qualifizierung von e-Tutoren; 2002 (37 S)

http://www.european-e-tutor.net/materials/fundierung_de_v1-3.doc

 

Wilbers, Karl:

E-Learning didaktisch gestalten; 2001 (36 S)

http://ltn.unibas.ch/doc/doc_download.cfm?uuid=3A775A5330059AAD3D26B5DD93797E6A&&IRACER_AUTOLINK&&