Evaluation: Begriffe

 

Unterschiedliche Annahmen für Evaluation

 

Etwas ist richtig oder falsch.

Etwas ist besser oder schlechter.

Etwas ist unbestimmt oder determiniert.

 

 

Definitionen

 

„Da der Begriff Evaluation in verschiedenen Kontexten und Theorien verwendet wird, fehlt eine allgemein verbindliche Definition dieses Begriffs. Evaluation ist aber in jedem Fall eine umfassende Bewertung schon erhobener Daten und geht somit über die Messung bzw. Quantifizierung einzelner Variablen weit hinaus. Evaluation ist nach Prell (1981) integraler Bestandteil von Entscheidungsprozessen, die beispielsweise bei der Implementation und Überprüfung eines neuen Curriculums, in der Schulversuchsforschung oder bei der Bewertung der beruflichen Aus- und Weiterbildung anfallen.“ (Fricke, S. 405)

 

Evaluation = Systematische Bewertung des zu Evaluierenden

 

Evaluation heißt, Erfahrungen systematisch für die Praxis nutzen:

·         Erfahrungen beschreiben und bewerten,

·         Daten systematisch erheben, auswerten und interpretieren,

·         um die Praxis zu stabilisieren und zu verbessern,

·         wobei der Nutzen in getroffenen Entscheidungen und eingeleiteten Veränderungen liegt. (Bestvater / Beywl, S. 2)

 

 

Merkmale

 

1    Der Evaluationsgegenstand wird über Auftrag und Erörterungen mit den Beteiligten-gruppen abgesteckt (Programme, Maßnahmen, Materialien, Interventionen, …)

2    Bewertungskriterien und Fragestellungen werden aus den Interessen und Anliegen der wichtigen Beteiligten abgeleitet.

3    Erhebung und Auswertung quantitativer & qualitativer Daten zu den festgelegten

      Fragestellungen erfolgen systematisch, methodisch abgesichert & dokumentiert.

      (Beywl 1996, S. 2)

 

 

Was? Wozu? Wie? Womit? (Wann? Wer? Wo? …)

 

Was = Evaluationsgegenstand: Technik? Produkt? Programm? Personen? Prozess?

Wozu = Ziele:

·         Die Ziele sollten SMART sein: Spezifisch (konkretes Teilziel) – Messbar (der Ziel-erreichungsgrad ist beobachtbar oder indirekt messbar) – Akzeptabel (Minimalkonsens über die Zielverfolgung) – Realistisch (das Ziel ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen erreichbar) – Terminiert (Angabe des Zeitpunkts der Zielerreichung)

·         Es gibt Untersuchungsziele (Informationsgewinnung) und Praxisziele (Veränderung)

·         Spielregeln des Zielansatzes: Bestvater / Beywl S. 13

Wie = Methoden/Formen:

Womit = Instrumente: z.B. Fragebogen, Beobachtung, Interview

 

 

Grundbegriffe

 

Formativ

Evaluation didaktischer Programme, die sich noch im Entwicklungsstadium befinden und revidiert werden können; liefert Information für Gestaltungs-Entscheidungen

 

Summativ

Bewertung eines fertigen Produkts oder Prozesses anhand eines Kriterienrasters; liefert Information für die Implementation

 

Fremdevaluation

Die Evaluation wird arbeitsteilig von Personen gesteuert, die auf der jeweiligen Organisationsebene mit der Ausführung der zu evaluierenden Programme, Maßnahmen usw. nicht befasst sind. (Bestvater / Beywl, S. 2)

 

Selbstevaluation

Die Evaluation wird von den Personen gesteuert und für die Handlungen vorgenommen, die diese auf der jeweiligen Organisationsebene ausführen. (Bestvater / Beywl, S. 2)

 

Geschlossen

In „geschlossenen“ Evaluationen stehen die Problemstellungen, Fragestellungen oder Annahmen ebenso von vornherein fest, wie die methodischen Vorgehensweisen, die Bewertungskriterien und auch die Zielgruppe für die Berichte. (z.B.: lernzielgesteuerte Evaluation; Kosten-Nutzen-Analyse) (Beywl 1991, S. 268-271)

 

Offen

In „offenen“ Evaluationen ist die Bestimmung der Feinziele, Fragestellungen, Hypothesen usw. zentrale Aufgabe des Evaluationsprozesses selbst. Der Evaluationsgegenstand ist lediglich vorläufig abgesteckt und wird im Fortgang der Untersuchung neu konturiert – je nach den Interessen der Organisationen, Gruppierungen oder Personen, die am Programm beteiligt sind. (Beywl 1991, S. 268-271)

 

Deskriptiv

Eine deskriptive Theorie beschreibt, welche Effekte verschiedene Lehrmethoden bei gegebenen Randbedingungen haben. Die Randbedingungen (Vorwissen, Themen, …) und die Lehrmethoden werden als unabhängige und die Lernergebnisse als abhängige Variable gesehen. (Fricke, S. 404-405)

 

Präskriptiv

Der präskriptive Ansatz sieht die erwarteten Lernergebnisse und die Randbedingungen als unabhängige und die Lehrmethoden als abhängige Variable. Eine präskriptive Theorie soll geeignete Lehrmethoden zur Erreichung von Lernzielen bei gegebenen Randbedingungen vorschlagen. (Fricke, S. 404-405)

 

 

Literatur

 

Bestvater, Hanne / Beywl, Wolfgang:

Einführung in die Selbstevaluation; Handout zum Seminar im Bundesinstitut St. Wolfgang vom 31.8.-3.9. 1998 (19 S)

 

Beywl, Wolfgang:

Entwicklung und Perspektiven praxiszentrierter Evaluation; Sozialwissenschaften und Berufspraxis 14, 3 (1991) 265-279

 

Werkstatt Evaluation: Planungsinstrumente, Erhebungsinstrumente; Handout zum Seminar im Bundesinstitut St. Wolfgang vom 16.-18. 9. 1996 (17 S)

 

Fricke, Reiner:

Evaluation von Multimedia (S. 400-413); in: Ludwig J. Issing / Paul Klimsa (Hg.): Information und Lernen mit Multimedia; Psychologie Verlags Union, Weinheim 1995/1997