Credit-Systeme

 

Die Bildungssysteme in den europäischen Ländern unterscheiden sich zum Teil beträchtlich, auch die Abschlüsse sind nicht ohne weiteres vergleichbar. Für die Hochschulen wurde daher ein System (ECTS) ausgearbeitet, mit dessen Hilfe für definierte Studienleistungen ‚Kreditpunkte’ angerechnet werden können. Ein analoges System für die berufliche Aus- und Weiterbildung (ECVET) befindet sich derzeit in Ausarbeitung und Erprobung.

 

                            

ECTS

[European Credit and Transfer System]

 

Das ECTS wurde eingeführt, um die absolvierten Studien auf Hochschulen vergleichbar zu machen. Es beruht darauf, dass den Teilen eines Lernprogramms akkumulierbare Punkte (Credits) zugeteilt werden. Als Berechnungsbasis dienen dazu Arbeitspensum, Unterrichtsstunden und Lernergebnisse. Das Arbeitspensum entspricht der Zeit, die die Lernenden im Durchschnitt für die Erbringung der erforderlichen Lernergebnisse benötigen. Darin ist die Zeit für Vorlesungen, Seminare, Selbststudium, Vorbereitung auf und Teilnahme an Prüfungen eingeschlossen. Credits gibt es für alle Komponenten eines Studiengangs (Kurse, Module, Praktika, Projekte, Forschungstätigkeit, Abschlussarbeit, usw.). Es gibt auch Credits für Lebenslanges Lernen: Außerhalb eines Studiums erworbene Kenntnisse werden ebenfalls für das Studium anerkannt.

 

Das ECTS geht davon aus, dass das Arbeitspensum für ein akademisches Jahr (= 36-40 Wochen) 60 ECTS-Credits beträgt. Ein Credit entspricht somit 25-30 Arbeitsstunden. (Europäische Kommission)

 

Über ECTS-Aktivitäten in Österreich gibt die Socrates Nationalagentur Auskunft.

Zur Anwendung von ECTS-Credits an Universitäten siehe die Webseite der Technischen Universität Graz.

 

 

DS

[Diploma Supplement / Diplomzusatz / Anhang zum Diplom]

 

Der Anhang zum Diplom ist ein Dokument, das einem Hochschulabschluss angefügt wird. Er soll die Transparenz verbessern und die akademische und berufliche Anerkennung von Qualifikationen erleichtern. Seit 2005 ist der Diplomzusatz an Fachhochschulen und Universitäten verpflichtend auszustellen.

Der Anhang enthält acht Punkte: Angaben zur Person des Qualifikationsinhabers, zur Qualifikation, zum Niveau der Qualifikation, zum Inhalt der Qualifikation und zu den erzielten Ergebnissen sowie zum Zweck der Qualifikation, außerdem weitere Angaben, Beurkundung des Zusatzes und Angaben zum nationalen Hochschulsystem. (BMBWK)

 

Der Anhang zum Diplom ist auch einer der fünf Teile des Europasses. (CEDEFOP)

 

 

ECVET

[European Credit System for Vocational Education and Training]

 

Das ECVET ist ein europäisches System zur Akkumulierung und Anerkennung von Leistungspunkten in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Mit diesem System können die Lernleistungen von Personen, die einen Ausbildungsweg für eine Qualifizierung, ein Berufsdiplom oder ein Zeugnis absolvieren, aufgezeichnet und bestätigt werden. ECVET ist für das gesamte Berufsbildungssystem gedacht: formale und nichtformale Berufsbildung, schulische und betriebliche Bildung sowie außerbetriebliche Berufserfahrungen. Das System ermöglicht auch die Dokumentation, Validierung und Anerkennung im Ausland erreichter Lernziele, sowohl in der formalen Berufsbildung als auch in nichtformalen Kontexten. ECVET baut auf der Unterteilung von Qualifikationen in Einheiten sowie auf der Beschreibung der Inhalte der Einheiten in Form von Kenntnissen, Fähigkeiten und Kompetenzen (KFK) auf.

 

ECVET wurde im zweiten Halbjahr 2005 getestet, die Vorbereitungen zur Umsetzung sind für 2006 angesetzt. Geplant ist, das System vorerst im formalen Berufsbildungssystem anzuwenden. ECVET ist mit dem einheitlichen Rahmenkonzept für den Europass abgestimmt. Grundlage für ECVET ist der Europäische Qualifikationsrahmen, auf den sich die nationalen Qualifikationssysteme über nationale Qualifikationsrahmen beziehen sollen. (Europäische Kommission; Heidemann; Le Mouillour; Schneeberger)

 

 

Literatur

 

BMBWK:

Anhang zum Diplom / Diploma Supplement

http://www.bmbwk.gv.at/universitaeten/diplomasupplement/DasDiplomaSupplement/Anhang_zum_Diplom__Diplo7750.xml

 

CEDEFOP:

Der Europass-Diplomzusatz

http://europass.cedefop.eu.int/europass/home/vernav/InformationOn/EuropassDiplomaSupplement/navigate.action?locale_id=4

 

Europäische Kommission:

Diplomzusatz (Diploma Supplement – DS)

http://europa.eu.int/comm/education/policies/rec_qual/recognition/diploma_de.html

 

ECTS Users’ Guide and forms

http://ec.europa.eu./education/programmes/socrates/ects/guide_en.html

 

Europäisches System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS): Kernpunkte; Europäische Gemeinschaften, 2004 (12 S)

http://ec.europa.eu/dgs/education_culture/publ/pdf/ects/de.pdf

 

European Credit Transfer System für Berufsbildung (ECVET): Leitlinien und Bezugsrahmen für die Umsetzung; 9/2004

http://www.na-bibb.de/uploads/leo/ecvet_eu-kommission_leitlinien.pdf

http://www.na-bibb.de/uploads/leo/ecvet_eu-kommission_principles.pdf

 

Europäisches Leistungspunktesystem in der Berufsbildung (ECVET). Ein Instrument für die Übertragung, Akkumulierung und Anerkennung von Lernleistungen in der Berufsbildung in Europa. Konsultationspapier (Entwurf); Brüssel, Version: 4 – 02/06/2006 (TWG) 08 06 06 (32 S)

http://www.ibw.at/html/infos/veranstaltung270906/ECVET.pdf

 

Heidemann, Winfried:

Kreditpunkte schaffen Übergänge; Mitbestimmung 11/2004, S. 23-25

http://www.it-medien-hamburg.de/ycms/sites/www.sda-hamburg.de/objarchiv/18/Kreditpunkte_schaffen_Uebergaenge11-2004.pdf

 

Le Mouillour, Isabelle:

European approaches to (credit) transfer systems in VET; Office for the Official Publications of the European Communities, Luxembourg 2005 (120 S)

http://libserver.cedefop.eu.int/vetelib/eu/pub/cedefop/dos/2005_6014_en.pdf

 

Schneeberger, Arthur:

ECVET; IBW, Wien 9/2006 (17 Folien)

http://www.ibw.at/html/infos/veranstaltung270906/ppp_ecevet.pdf

 

Socrates Nationalagentur:

ECTS ohne Grenzen

http://www.ects.at

 

Technische Universität Graz:

ECTS an der TU Graz

http://portal.tugraz.at/portal/page?_pageid=133,68212&_dad=portal&_schema=PORTAL