Unter die Kompetenzarten oder -klassen werden jene Fähigkeiten subsumiert, die für einen bestimmten Zweck und ein bestimmtes Umfeld als notwendig erscheinen. Dies kann die Schule sein, der betriebliche Arbeitsplatz, das Leben im sozialen Umfeld.
Bereits 1968, bevor die Kompetenzen in den 80er Jahren in der Weiterbildung in Mode kamen, formulierte Negt die folgenden, auch heute noch häufig verwendeten sechs Kompetenzen (wobei damals die Begriffe Schlüsselqualifikation und Kompetenz mehr oder weniger synonym verwendet wurden):
· Identitätskompetenz: Umgang mit bedrohten und gebrochenen Identitäten
· Ökologische Kompetenz: pfleglicher Umgang mit Menschen, Dingen und der Natur
· Technologische Kompetenz: Begreifen gesellschaftlicher Wirkungen von Technik und Entwicklung von Unterscheidungsvermögen
· Historische Kompetenz: Erinnerungs- und Utopiefähigkeit
· Gerechtigkeitskompetenz: Sensibilität für Enteignungsverfahren, Recht und Unrecht, Gleichheit und Ungleichheit
· Ökonomische Kompetenz: Einsicht in die Funktionsweise des Markts
In dieser Auswahl zeigt sich der Blick des Soziologen, der gleichzeitig das integrale Dasein des Menschen im Blick hat.
Eine spezifischere, auf das Berufsleben bezogene Auswahl
treffen Erpenbeck / von Rosenstiel (S. XV-XIX), die vier
Kompetenzklassen unterscheiden:
· Personale Kompetenzen: reflexive Selbstorganisation, Selbsteinschätzung, Entwicklung produktiver Einstellungen und Werthaltungen, Entfaltung der Begabungen, Lernfähigkeit
· Aktivitäts- und umsetzungsorientierte Kompetenzen: aktive Handlungsfähigkeit in der Umsetzung von Vorhaben im Team bzw. in der Organisation, Integration aller Fähigkeiten und Erfahrungen zur erfolgreichen Realisierung der Handlungen
· Fachlich-methodische Kompetenzen: selbstorganisierte Handlungsfähigkeit bei der Lösung von Sachproblemen, kreative Problemlösung mit fachlichen und instrumentellen Kenntnissen, sinnvoller Einsatz und Bewertung von Wissen
· Sozial-kommunikative Kompetenzen: kreative Auseinandersetzung mit anderen, gruppen- und beziehungsorientiertes Verhalten, Entwicklung neuer Aufgaben und Ziele
Diese Auswahl gründet sich auf allgemeine theoretische Vorstellungen über Problemlösungs- und Handlungsprozesse.
Die Europäische Kommission wiederum schlägt
folgende zusammenfassende Definition von Kompetenzen vor (EK 2005a, S. 13):
„Kompetenz
umfasst
i)
kognitive Kompetenz, die den Gebrauch von
Theorien/Konzepten einschließt, aber auch implizites Wissen (tacit knowledge),
das durch Erfahrung gewonnen wird;
ii)
funktionale Kompetenz (Fertigkeiten,
Know-how), die zur Ausübung einer konkreten Tätigkeit erforderlich ist;
iii)
personale Kompetenz, die das Verhalten/den
Umgang in/mit einer gegebenen Situation betrifft;
iv) ethische
Kompetenz, die bestimmte persönliche/soziale Werte umfasst.“
Im engeren Sinn
fasst die Europäische Kommission jene Kompetenzen zusammen, die lebenslanges
Lernen zur Entfaltung bringen soll (EK 2005b):
·
Muttersprachliche
Kompetenz
· Fremdsprachliche Kompetenz
·
Mathematische
Kompetenz und grundlegende naturwissenschaftlich-technische Kompetenz
·
Computerkompetenz
·
Lernkompetenz
·
Interpersonelle,
interkulturelle und soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz
·
Unternehmerische
Kompetenz
·
Kulturelle
Kompetenz.
Eine weitere Liste von acht Kompetenzen, von denen angenommen wird, dass sie in Zukunft gefragt sein werden, findet sich in Geißler / Orthey (S. 75).
Es zeigt sich also,
dass je nach Kontext, Perspektive und Interesse ziemlich unterschiedliche
Kompetenzen als wesentlich erachtet werden.
Auf dem
Weg zu einem europäischen Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen;
Brüssel, 2005a (58 S)
http://eu2006.bmbwk.gv.at/downloads/bildung_eqf.pdf
Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zu Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen; 2005b (22 S)
http://europa.eu.int/comm/education/policies/2010/doc/keyrec_de.pdf
Erpenbeck, John / von Rosenstiel, Lutz:
Handbuch Kompetenzmessung; Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2003
Einführung (12 S): http://www.schaeffer-poeschel.de/download/leseproben/3-7910-2106-0.pdf
Geißler, Karlheinz A. / Orthey, Frank Michael:
Kompetenz: Ein Begriff für das verwertbare
Ungefähre; in: Nuissl, Ekkehard / Schiersmann, Christiane / Siebert, Horst
(Hg.): Kompetenzentwicklung statt Bildungsziele? Report Nr. 49, Juni 2002 (S. 69-79)
http://www.die-bonn.de/esprid/dokumente/doc-2002/nuissl02_02.pdf
Soziologische
Phantasie und exemplarisches Lernen. Zur Theorie der Arbeiterbildung; Suhrkamp,
Frankfurt am Main 1968
http://de.wikipedia.org/wiki/Schl%C3%BCsselqualifikation