Lernräume: Merkmale

 

Primär / sekundär

An einem primären Lernort ist das Lernen die vorrangige Funktion des Orts. An einem sekundären Lernort (z.B. Arbeitsplatz) gibt es andere Prioritäten, aber Lernen kann auch stattfinden (Becker u. a., in Anlehnung an Münch).

 

Komplementär / integral

Ein komplementärer Lernort bedarf der Ergänzung durch andere Lernorte, während ein integraler Lernort dies nicht nötig hat (Becker u. a., in Anlehnung an Münch).

                                                                                                                          

Natural / digital / virtuell

Naturale Lernumgebungen sind alle Arten von “realen” Räumen, die gezielt fürs Lernen eingerichtet wurden (Klassenzimmer, Seminarraum, Selbstlernzentrum, Lernwerkstatt, Studienzirkel, usw.).

Digitale Lernumgebungen sind computerbasierte Systeme, die einen Bildschirm als Zugang zum Wissensraum besitzen. Es kann dies das Internet sein oder eine Lernplattform, die für e-Learning eingesetzt wird. (Wie bereits erwähnt, werden diese Lernumgebungen in der Literatur meist als „virtuell“ bezeichnet.)

Virtuelle Lernumgebungen werden hier nur jene genannt, die „immersiv“ sind, in die man vollständig eintauchen kann. Sie können auf einen Ort konzentriert oder „distribuiert“, d.h. auf mehrere Orte verteilt sein.

 

Physisch / geistig / sinnlich

Im physischen Raum steht der Sessel (oder das Sofa), auf dem man beim Lernen sitzt. Er hat eine definierbare Ausdehnung.

Der geistige Raum ist weniger leicht eingrenzbar: Einerseits können damit die Lerninhalte gemeint sein, die einen geistigen Raum aufspannen; andererseits kann der geistige Raum auch im gesamten Gedächtnis eines Lernenden oder aller am Lernprozess Beteiligten bestehen.

Der sinnliche Raum ist der Wahrnehmungs- und Empfindungsraum.

 

Abgeschlossen / geschlossen / offen

Diese Unterscheidung ist mehrdeutig und hängt davon ab, worauf man sie bezieht. Meist ist damit der Zugang zum Lernraum gemeint, die offizielle Genehmigung, dass man überhaupt in diesem Raum lernen darf. Die Geschlossenheit/ Offenheit kann sich aber auch auf die Lernzeit, Inhalte und Methoden oder auf die Überprüfung des Lernerfolgs beziehen.

 

Eine abgeschlossene Lernumgebung stellt beispielsweise ein Computer-Based Training (CBT) dar, das ausschließlich von vorn bis hinten abgearbeitet werden kann.

 

Eine geschlossene Lernumgebung wäre eine Schulklasse, die zwar einen vorgegebenen Lehr- und Zeitplan hat, die aber relativ offen gegenüber Informationen von „außen“ ist.

 

Eine offene Lernumgebung ist zwar in der Realität nur partiell offen, da sie naturgemäß nicht alles, von beliebigen Inhalten zu jedem Medium und Lernbetreuung nach Bedarf, zur Verfügung stellen kann. Aber sie sollte zumindest in Hinblick auf Zugang, Wahl des Lernwegs, der Lernpartner, Lernort und -zeit sowie der Lernkontrolle mehrere Möglichkeiten bieten. Beispiele wären ein virtueller Lernraum oder ein offenes, gut eingerichtetes und betreutes Lernzentrum.

 

Homogen / heterogen

Ein Lernraum kann eine einzige Einheit sein.

Er kann aber auch aus einem verteilten Netzwerk von Lernräumen und Lernobjekten bestehen.

 

Statisch / dynamisch

Ein statischer Lernraum bleibt über längere Zeit mehr oder weniger gleich. Ein dynamischer Raum verändert sich ständig während eines Lernprozesses, sei es von aussen durch die Anbieter oder Gestalter des Raums, sei es von innen durch die Lerngruppe.

 

Lokal / entfernt

In einer Präsenzveranstaltung ist der Lernraum lokal begrenzt (auch wenn übers Internet die Welt offen steht …). Beim Fernlernen ist der Lernraum weiter zu sehen, da sich weder die zentrale Einrichtung noch die Tutoren, die anderen Lernenden und die Prüfungskommission am unmittelbaren Lernort befinden. Die Distanz beim Fernlernen ist jedoch nicht nur räumlich, sondern auch psychisch/ kommunikativ („transaktionale Distanz", nach Moore, in Peters).

 

Stationär / mobil

Im Gegensatz zum stationären Lernort wechselt ein mobiler Lernort (z.B. ein Bildungsbus oder -wagon) zumindest zeitweise seinen physischen Aufenthaltsraum.

 

Thematisch / instrumentell

Ein Lernraum kann zu einem thematischen Schwerpunkt (z.B. Englisch oder Chemie) eingerichtet sein. Er kann aber auch in einer Art Werkstatt bestehen, die Werkzeuge zur Herstellung und Bearbeitung von Wissen enthält, die aber nicht fachspezifisch ausgerichtet ist.

 

Wirklich / möglich

Ein wirklicher Lernraum ist entweder physisch oder digital/ virtuell vorhanden. Ein möglicher Lernraum existiert entweder als Idee oder in deren Vorstufe.

 

 

Literatur

 

Becker, Matthias / Spöttl, Georg / Stolte, Andre:

Neue Lernmodelle. Flexible und akzeptierte Wege zum Lernen für die Arbeitswelt (Hrsg.: Nationale Unterstützungsstelle ADAPT der Bundesstelle für Arbeit, Bonn); 2001

http://www.lernen-am-arbeitsplatz.de

http://www.lernen-am-arbeitsplatz.de/Publikation/ADAPT-Lernformen.pdf  

 

Peters, Otto:

Didaktik des Fernstudiums (S. 48-52); Luchterhand, Neuwied 1997