Wie eine organisierte Lernumgebung aussieht, hängt nicht zuletzt von der Philosophie ab, die hinter ihrer Einrichtung steht. Haben die Konstrukteure eine libertäre Didaktik im Kopf, wird die Lernumgebung anders aussehen als wenn das Wissen als Produkt gesehen wird, das unter Einsatz von Instruktion transferiert werden kann. Wilson unterscheidet vier Ansichten:
Wenn Sie denken, Wissen sei
1 ein „Stoff“, eine Inhaltsmenge, die zu übermitteln ist
2 ein kognitiver Zustand, der sich in den Schemas und prozeduralen Fähigkeiten zeigt
3 die Summe der Meinungen, die man in Wechselwirkung mit der Umgebung konstruiert
4 die Aneignung der Seh- und Handlungsweise einer Gruppe,
dann verbinden Sie vielleicht mit dem Lehr-Lernprozess die Vorstellung
1 eines Produkts, das von einem Vehikel zuzustellen oder von einer Person zu übermitteln ist
2 eines Sets von Instruktionsstrategien, die auf die Veränderung der Schemas der Lernenden abzielt
3 von Lernenden, die in einer komplexen Umgebung Werkzeuge und Ressourcen einsetzen
4 von Partizipation in den Aktivitäten einer Gemeinschaft.
Die didaktische Haltung ist also keineswegs neutral, sie wirkt sich unmittelbar auf die Gestaltung der Lernumgebung aus. Die erste Ansicht entspricht dem programmierten Lernen oder auch der Vorstellung, die in der Praxis noch weit verbreitet ist: Dass es möglich ist, Wissen von einer Stelle (Lehrperson oder Lernprogramm) zu einer anderen zu „transferieren“. In der Literatur ist gegenwärtig noch die zweite, auf der Kognitionstheorie basierende Ansicht anzutreffen. Der Trend geht zur dritten Ansicht auf konstruktivistischer Basis, und wer seiner Zeit voraus sein will, sollte sich damit auseinandersetzen, wie die vierte als organisierte Lernumgebung gesehen werden kann. Diese ist ebenfalls in der konstruktivistischen Theorie enthalten, betont aber besonders den sozialen Aspekt.
Ein modernes Lernsetting basiert nicht mehr auf der Vermittlung des Wissens vom Lehrenden zum Lernenden, sondern besteht in einer kollaborativen Wissenskonstruktion: Das Wissen von allen wird genützt. Dies erfordert ein geeignetes Wissensmanagement.
Verschiedene Lernende/StudentInnen arbeiten gemeinsam an einer Lernaufgabe, wobei der Lehrende eine beratende Funktion einnimmt. Das Ziel ist die aktivere Beschäftigung mit dem Inhalt, eine gleichmäßigere Verteilung der Aktivitäten sowie eine kritischere Auseinandersetzung mit dem Inhalt durch verschiedene Sichtweisen.
Kooperatives Lernen basiert auf folgenden
Grundsätzen:
· Die Studenten arbeiten und lernen in kleinen Gruppen (2-5 Personen).
Eine Lernumgebung ist stets nach einer impliziten Methapher aufgebaut, sei es ein Buch mit Kapiteln, ein Haus mit Stockwerken oder dergleichen. Eine gute Metapher, in der soziale Aktivitäten eine bedeutende Rolle spielen, ist ein Marktplatz. Auf einer Lernplattform werden die wesentlichen Elemente und Funktionen einfach nachgebildet.

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