Selbstgesteuertes
Lernen in offenen Lernumgebungen geht nicht unbedingt reibungslos vor sich. Das
liegt an der Schwierigkeit der Selbststeuerung und an den spezifischen
Eigenschaften von Lernumgebungen. Personen ohne Erfahrung mit systematischem
Selbstlernen sind ohne Anleitung häufig überfordert. Die Abgabe der
Verantwortung an die Lernenden kann also durchaus unverantwortlich sein!
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es
erfordert ein hohes Ausmaß an Eigenaktivität,
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es
setzt eine beträchtliche Selbstdisziplin voraus,
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es
erfordert (meist) eine nichtdirektive Lernbegleitung,
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es kann
die Tendenz zur Individualisierung verstärken,
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es
erfordert nicht weniger, sondern mehr didaktische Planung,
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es
erfordert eine aufwändige Vor-, Nach- und Überarbeitung,
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es
führt nicht per se zu positiven Lernergebnissen,
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es kann
die Integration in eine Gruppe erschweren,
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es löst
nicht selten Frustrationen bei Lernenden aus,
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es
erfordert viel Zeit,
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es setzt bestimmte Kompetenzen voraus.
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Sind
Lernumgebungen nicht gut vorbereitet, können sie schnell chaotisch werden.
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Manche
Personen sind gewohnt, Aufträge auszuführen. Sie tun sich schwer, selbst eine
produktive Rolle zu übernehmen.
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Personen,
die nicht leicht Anschluss finden, fühlen sich in einer offenen Lernumgebung
unter Umständen allein gelassen.Möglicherweise aber streben sie Kooperationen
an, finden aber keine LernpartnerInnen. Was tun mit Personen, die in einer
Arbeitsgruppe mitmachen möchten, diese aber für sich bleiben will?
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Andere
Lernende können von Einzelnen als „Einrichtungsgegenstände“ der Lernumgebung
gesehen werden, was dazu verleitet, sie zu manipulieren und für die eigenen
Zwecke zu gebrauchen.
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Wenn
die Lernenden ihren eigenen Lernweg selbst wählen und kontrollieren, haben ihn
die Lehrenden nicht mehr im Griff, er kann sich in unvorhergesehene und nicht
erwünschte Richtungen bewegen.
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Die
Lernbegleitung, die tutorielle Tätigkeit, stellt Anforderungen, die erst
erworben werden müssen.An das Unterrichten gewöhnte LehrerInnen bzw.
KursleiterInnen wechseln ihre alte Rolle nicht ohne weiteres.
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Da in
offenen Lernumgebungen der Zwang zum Lernen fehlt, ist es eine Frage der
Motivation und des inhaltlichen Interesses, ob sich jemand beim Lernen
verausgabt. Das Nichtstun hat seine lockenden Reize, während größere Lernmengen
oft abstoßend wirken. Wenn also das inspirierende Feuer eines Lehrers oder
einer Kursleiterin fehlt, kann der Lernertrag unter Umständen spärlich sein.
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Eine
Lernumgebung ist üblicherweise mit einer umfangreichen Wissensbasis
ausgestattet. Der Zugang zu den einzelnen Inhalten und Methoden ist daher nicht
immer einfach zu finden, und die Veranstaltung kann schon wieder zu Ende sein,
bevor sich die Teilnehmenden einen Überblick verschafft haben. Ist hingegen das
Angebot zu zu gering oder zu einseitig, verliert die Lernumgebung ihren Sinn.
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Lernumgebungen
können nicht vollständig ausgestattet werden. Manchem wird daher der eine oder
andere Inhalt, die eine oder andere Methode fehlen.
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Nicht
alle Teilnehmenden achten darauf, dass die Ordnung der Materialien und Medien
erhalten bleibt. Gemäß dem Entropiesatz geht die Lernumgebung bei Benützung
schnell in einen höheren Unordnungsgrad über: Bücher werden nicht mehr
alphabetisch eingeordnet, Arbeitsblätter sind unauffindbar, Medien
funktionieren nicht mehr.
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Die
vorbereiteten Unterlagen entsprechen nicht den Rezeptions- und Lernweisen der
Teilnehmenden. Die Texte sind zu abstrakt oder zu simpel, die Aufgaben zu weit
entfernt von der Praxis, die methodischen Vorschläge zu aufwändig.
· Die Abgabe von Steuerungsfunktionen an die Lernenden sollte nur erfolgen, wenn diese mit der Selbststeuerung ihres Lernens zurechtkommen bzw. wenn eine Lernbegleitung zur Stelle ist, die bei auftretenden Schwierigkeiten unterstützend eingreift. Dies erfordert eine Einschätzung der TeilnehmerInnen in Hinblick auf ihre Selbststeuerungs-Kompetenz.
· Eine Lernumgebung ist darauf angelegt, die Selbststeuerungs-Kompetenz zu erweitern. Ein möglicher Weg dazu ist das Stufenmodell von Grow (Siehe das Info-Blatt "Selbtslernphasen von Grow").
· Eine Lernumgebung setzt eine detaillierte Planung und Vorbereitung voraus.
· Die Lernumgebung sollte zu aktivem Lernen und Arbeiten anleiten. Dies erfordert eine größere Sammlung aktivierender, möglichst verständlicher Aufgaben und Arbeitsvorschläge.
· Für die Betreuung einer Lernumgebung sind tutorielle Kompetenzen notwendig. Sind diese nicht vorhanden, müssen sie entwickelt werden. (Siehe z.B. die Info-Blätter "Support: Kompetenzen" und "Tutorium: Funktionen".)
· Wie jedes Design-Produkt erfordert auch eine Lernumgebung eine regelmäßige Dokumentation, Evaluation und Revision.
· Eine Lernumgebung ist ein komplexes Produkt. Zudem ändern sich bei jeder neuen Veranstaltung die Umstände. Das Wichtigste ist daher: experimentelles Denken und Mut, Neues auszuprobieren.
Arnold; Rolf / Lehmann, Burkhard:
Selbstgesteuertes Lernen im Fernstudium? (S. 89-100); in: K. Derichs-Kunstmann u. a. (Hg.): Selbstorganisiertes Lernen als Problem der Erwachsenenbildung (Beiheft zum REPORT); Deutsches Institut für Erwachsenenbildung, Frankfurt/ Main 1998
Hammond,
Merryl / Collins, Rob:
Self-Directed
Learning; Kogan Page,