Portfolio

 

Als didaktisches Instrument wird das Portfolio bereits seit einigen Jahrzehnten in den USA und Großbritannien eingesetzt, es hat nun auch im deutschsprachigen Raum Einzug gehalten. Das Portfolio ist ein Instrument zur Dokumentation eines längerfristigen Lernprozesses (Lehrgang, Prüfungsvorbereitung, ...). Von der Form her ist es ein Heft, eine Mappe oder eine Materialiensammlung. Inhaltlich ist es eine Kombination von Logbuch und Lernjournal, und es dient dazu,

·         die Ziele des Lernprozesses darzustellen,

·         das Entwicklungsprofil zu skizzieren,

·         theoretische und methodische Texte zu sammeln,

·         Rückmeldungen festzuhalten,

·         die Lernaktivitäten bzw. den Lernverlauf zu beschreiben,

·         die Ergebnisse darzustellen,

·         den Verlauf kontinuierlich zu reflektieren,

·         die Ergebnisse mit den Zielen zu vergleichen.

 

Während Portfolios in der Schule vorwiegend als Mittel der Leistungsbeurteilung fungieren, werden sie in der Weiterbildung zur eigenen Überprüfung des Lernverlaufs eingesetzt. Das Portfolio eignet sich daher besonders für jene Lernumgebungen, die auf selbstgesteuertem Lernen aufbauen.

 

Der Nutzen des Portfolios liegt in der Verknüpfung von kontinuierlicher Beurteilung (assessment) mit der eigenen Entwicklung und Weiterbildung (Tillema). Die Beurteilung

·         hilft, den eigenen (Lern)fortschritt zu überwachen und Rückmeldungen zu erhalten;

·         deckt mögliche Abweichungen zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung auf;

·         hält die geleistete Arbeit und den Erwerb zusätzlicher Kompetenzen fest.

 

Die meisten Portfolios enthalten folgende Standard-Elemente (Tillema):

·         einen Index (Verzeichnis, Übersicht), was wo im Portfolio gefunden werden kann;

·         die Beschreibung der durchgeführten Aktivitäten in Hinblick auf die Kompetenzen;

·         die Dokumentation der Lernerfahrungen;

·         den Nachweis (Ergebnisse) und die Demonstration der erworbenen Kompetenzen;

·         die Reflexion der Stärken und Schwächen auf der Grundlage der Ergebnisse;

·         die erforderlichen zukünftigen Schritte.

 

 

Erste Schritte zur Erstellung eines Portfolios

 

1    Definition der angestrebten Kompetenzen;

      [1' Erstellung eines Lernvertrags mit den TrainerInnen bzw. mit der Institution]

2    Ausarbeitung eines Entwicklungsprofils, entweder basierend auf Selbstbeurteilung oder Fremdeinschätzung (Beispiel: TutorIn-Profil);

3    Ausarbeitung der Kriterien für die Selbsteinschätzung (Wie überprüfe ich den Kompetenzerwerb? Wann gilt für mich ein bestimmtes Ziel als erreicht? ...);

4    Festlegung der individuellen Form des Portfolios zu Kursbeginn:
Gliederung des Portfolios, Verweissystem, Raum für persönliche Eintragungen, usw.

Verwandte Begriffe/ Instrumente

 

Portfolio [it.] das: -s, -s: (selten) Portefeuille; Portefeuille [portföj; fr.] das; -s, -s:

1. (veraltet) Brieftasche, Aktenmappe; 2. Geschäftsbereich eines Ministers;

3. Wertpapierbestand einer Bank  (Wirtsch.) (Duden)

Mappe mit Arbeiten fürs Kunststudium: heißt ebenfalls Portfolio.

Tagebuch: Enthält Eintragungen zu allen möglichen Beobachtungen, Eindrücken und Lebenserfahrungen (nicht nur zum Lernprozess); ist nicht systematisiert und von der Form her meist handlich und kompakt.

Logbuch: Kommt ursprünglich aus der Nautik und beschreibt die Route sowie die Vorkommnisse während der Fahrt. Ein didaktisches Logbuch dient dazu, die Rahmenbedingungen und die sich auf der sachlichen Ebene während eines Lernprozesses abspielenden Ereignisse systematisch festzuhalten und die Ergebnisse zu beschreiben.

Lernjournal: Ist eine Art systematisches Tagebuch. Es dokumentiert – im Gegensatz zum Logbuch – primär die Wahrnehmungen und Erfahrungen während eines Lernprozesses.

Selbsteinschätzungs-Schema: Entspricht einem Portfolio mit Lernvertrag (Boud), findet aber in einem institutionalisierten Kontext mit mehr oder weniger vorgegebenem Rahmencurriculum statt. Dieses Schema dient daher nicht nur zur begründeten Selbstbeurteilung, sondern auch als Grundlage zur Beurteilung des Lernfortschritts durch eine Vertretung der Institution.

Projekt-Portfolio: Wird in Unternehmen angewendet, um den Verlauf mehrerer paralleler Projekte zu überblicken und zu kontrollieren. Es dient dazu, die Schnittstellen zwischen den Projekten zu analysieren und die einzelnen Projekte von der Gesamtsicht her zu optimieren. Mittel dazu sind Soll-/Ist-Vergleiche in bestimmten Abständen sowie definierte Steuerungsmaßnahmen.

 

 

Literatur

 

Häußler, Peter / Duit, Reinders:

Die Portfoliomethode. Ein Verfahren zur individualisierten Unterrichtsbewertung; Unterricht Physik 8, 38 (1997) 24-26

 

Kunze, Hansjörg:

Individualisierte Leistungsbewertung. Erfahrungen mit einer Variante der Portfoliomethode; Unterricht Physik 8, 38 (1997) 27-29

 

Tillema, Harm H.:

Assessment before Development; Lifelong Learning in Europe 1/1997, 3-7

 

Der große Duden – Fremdwörterbuch

Bibliographisches Institut, Mannheim 1974

 

Boud, David:

The Use of Self-assessment Schedules in Negotiated Learning; Studies in Higher Education 17, 2 (1992) 185-200